Zisterzienserkloster Vyšší Brod/Hohenfurth
gegründet A.D. 1259 vom Adelgeschlecht der Rosenberger und anvertraut der Seligsten Jungfrau Maria
Anschrift: Cisterciácké opatství Vyšší Brod, Klášter 137, CZ-38273 Vyšší Brod, Tschechien
Grundlage des heutigen Klosterlebens

Der
Mensch wurde erschaffen, um dauernd im Bund mit seinem Schöpfer, mit Gott
zu sein. Allerding ist der Mensch am Anfang des Menschegeschlechts von
Gott abgefallen. Diese Spaltung von Gott wirkt innerlich in
jedem Menschen nach und zerstört die ursprünliche Integrität, die
innere Einheit. Zu den Früchten der Integrität gehören Frieden,
ruhige und tiefe Freude, Milde usw. Diese Früchte machen die Meschen nicht nur Gott
gegenüber gefällig, sondern auch angenehm gegenüber den Menschen, den
Tieren und der übrigen Natur. Die
Spaltung von Gott bringt hingegen Spannungen, Missverständnisse, Kriege und dauernde
Unruhe. Diese Erscheinungen sind die Folge der Erbsünde. Die Taufe schafft die
Konsequenzen der Erbsünde nicht völlig ab, sondern zeigt dem Menschen
den Ausweg aus ihnen und gibt ihm die Kraft
und Unterstützung diesem zu folgen. Deshalb das Ziel des Mönchlebens ist
es, dem Menschen wieder die Intergrität mit Gott völlig zu
bringen. Dies kann nur schrittweise geschehen, weil die Leute im täglichen Leben von
den Gewonheiten geleitet sind.
Der hl. Benedikt als Mönchsvater zeigt den folgenden Weg zu Wiederherstellung der Integrität: In uns gibt es zwei Zustände, nähmlich die allumfassende Verbundenheit mit Gott und das alles übriges ohne Gott, d.h. die Spaltung von Gott. Jeder von uns weiß aus eigener Erfahrung, dass wir oft Dinge tun, denen wir eingentlich im tiefsten Inneren nicht zustimmen sie und wünschen. Der monastische Ausweg daraus ist, so oft zwischen den beiden Zuständen zu wechseln, dass wir uns schließlich an das Leben mit Gott als einzigen Zustand gewöhnen und damit die Integrität in uns erneuern. Dazu gibt es in der Lehre des hl. Benedikt erprobte Mittel: das regelmäßige und häufige Gebet ("ora"), als Chorgebet und als privates Gebet, die körperliche Arbeit ("labora") und schließlich die meditative geistliche Lesung ("lectio divina"). Die Zisterzienschische Reform des Mönchlebens im 12. Jahrhundert besteht in der realistischen und heilbringenden Ausgewogenheit dieser drei Grundpfeiler des Mönchlebens.
Gebet/Ora
Der
Gottesdienst ist die Lebensmitte der Kirche und des Klosters. Ihm darf
nichts vorgezogen werden, denn er ist Teilnahme na der himmlischen Liturgie,
in der Engel und Heiligen das Lamm und den, der auf dem Thron sitzt, ohne Unterlaß
anbeten. In ihm findet unsere Ganzhingabe ihren vornehmsten Ausdruck und
ständige Nahrung, die klösterliche Gemeinschaft ihre aufbauende Kraft.
Im Kloster soll daher alles auf die Begegnung und Vereinigung mit Gott
ausgerichtet werden. Dabei nimmt die aktive Mitfeier der Sakramente und
des Stundengebetes einen hervorragenden Platz ein. (die Konstitutionen OCist.)
Arbeit/Labora
Ein
sinnvoller Wechsel und ein ausgewogenes Maß von Gebet, Lesung und Arbeit
ist nach der Regel des hl. Benedikt ein wahrer Weg zu Gott. Arbeit ist
Mitarbeit an der göttlichen Schöpfung und Erlösung. Sie
gehört zum Wesen und zur Würde des Menschen und dient der Entfaltung
seiner Perönlichkeit und Fähigkeiten. Darüber hinaus ist
sie aber auch als mühevolle tägliche Arbeit ein vorzügliches
Mittel zisterziensischer Askese, trägt zum Aufbau und Unterhalt der Gemeinschaft
bei und ermöglicht es dem Kloster, vom Ertrag der Arbeit an Arme und Bedürftige
auszuteilen. (die Konstitutionen OCist.)
Lectio divina
Während die Mönche bei der Feier des Stundegebetes dem Herrn Lob und Preis für sein gerechtes Walten in der Erschaffung und Erlösung darbringen, empfangen sie in der lectio divina liebend sein Wort. Die heilige Lesung hilft ihnen, das Geheimnis Christi immer besser in seinem Leben zu verstehen und zu erfahren. Das langsame, betrachtende Lesen der Hl. Schrift und anderer geistlicher Bücher führt zur Betrachtung und Kontemplation. (die Konstitutionen OCist.)
Eucharistie
Die Kirche lebt und wächst aus der Eucharistie. Sie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christilichen Lebens, daher soll sie jeden Tag im Konventamt gefeiert werden, möglichst in Konzelebration. Alle Mitglieder der Kommunität sollen daran teilnehmen, um mit Christus in Wort, Opfer und Mahl geeint, die Liebe des mystischen Leibes Christi in der Klostergemeinschaft darzustellen und erneuern. Die Mönche werden auch die persönliche Anbetung des eucharistischen Herrn pflegen, um immer mehr in seiner Liebe und Nachfolge zu wachsen.
Gemeinschaftsleben der Mönche
Der
Mönch muß in der Klostergemeinschaft leben, außer der Abt entscheidet
aus ernsten Gründen anders. Wenn der Mönch selber für seine
Mitbrüder offen ist und bereit, ihnen in uneigennütziger Weise zu
dienen, werden sie wahre menschliche Geborgenheit finden. Da alle Verfehlungen
auch unsere Einheit in Christus schwächen, soll die Gemeinschaft als ganze
an ihrer Bekehrung arbeiten und die brüderliche Liebe immer wieder zu erneuern.
Dies kann in alten und neuen Foremn des Schuldkapitels oder in liturgischen
Bußfeiern geschehen. Aber auch untereinander sollen die Brüder
sich takvoll auf ihre Fehler aufmerksam machen. Sie leisten sich dadurch
aneinander einen wahren Dienst.
Klausur
Die Abgeschidenheit von der Welt ist eine Voraussetzung für das monastische Leben und gehört wesentlich zur Zisterziensertradition. Die Mönche dürfen das Kloster ohne Erlaubnis des zuständigen Oberen nicht verlassen. Die Klausur der Mönche ermöglicht ihr gemeinsames Mönchleben, schützt den Bereich des inneren Klosters und fördert den Dialog mit Gott. Die Grenzen der Klausur werden vom Abt mit Zustimmung seines Rates bestimmt. Sie muß wenigstens den inneren Bereich des Klosters umfassen, in welchem sich dasl Leben der Kommunität abspielt. Dazu gehören im allgemeinen die Schlafsabteilung, Kreuzgang, Kapitelsaal, Refektorium, Rekreationsaal, Konventgarten. Die Arbeitsplätze können sich außerhalb der Klausur befinden.
Begriff Stift
Stift
ist mehr als Kloster. Es umfaßte nicht nur den spirituellen Bereich,
sondern auch einen säkularen Bereich.
Voraussetzung für ein Stift war die Dotierung des Klosters mit einer
Grundherrschaft". Der Abt, der auch Mitglied des
Prälatenstandes im örtlichen Landtag war, übte
nicht nur die Disziplinargewalt über sein Kloster aus, sondern besaß
auch
öffentliche, d. h. staatliche Rechte, nämlich Verwaltungsrechte,
Polizeigewalt und Gerichtsbarkeit, über die im Bereich
des Grund und Bodens des Stiftes angesiedelt Untertanen. Diesen wurde der
Grund zur Leihe gegeben, wofür den sie der Herrschaft einen Zins abzuliefern
hatten. Das
Verhältnis dieser "Grundholden" zum Grundherrn äußerte sich
im Besitzrecht, welches ihnen zugestanden wurde. Während das
sogenannte Freistiftrecht das schlechteste Besitzrecht war, da sein Träger jährlich von seinem Hof „abgestiftet", d. h.
entlassen werden konnte, war das sogenannte Kaufrecht das bessere Recht,
etwa vergleichbar mit einer mietergeschützen Wohnung. Dieses Recht
setzte sich im Allgemeinen in den geistlichen Grundherrschaften
durch, sodass das geflügelte Wort entstand: „Unter dem
Krummstab ist gut leben." Zum
Zweck der besseren Erfassung wurde das Herrschaftsgebiet eines Stiftes in
Verwaltungsbezirke oder „Ämter"
gegliedert, in denen ein weltlicher Amtmann unter Aufsicht des
Stiftes die Verwaltungsfunktion ausübte. So umfaßte das Gebiet der
Grundherrschaft Stift Hohenfurth z. B. im 18. Jahrhundert 31 Ämter.
Die Räume in Kloster und ihre Symbolik
Das Wort Kloster kommt
vom lateinischen "claustrum
monasterii", d. h. es bedeutet "Klausur". Die im Kreuzgang
gehenden Mönche
sehen durch die Fenster stets den Innengarten, den sogenannten Paradiesgarten.
Dieser erinnert
sie an die eschatologische Zusage des Paradieses, des Himmels am
Ende ihres irdischen Lebens. Unter dem Boden des Kreuzganges
wurden früher die Mönche begraben, die Äbte dagegen
zuerst im Kapitelsaal
und später beim Kricheneingang. Wegen seine Nähe zur Kirche
wird der Kreuzgang für die lectio divina, für Prozessionen und
die "Collationes", d.h. gemeinsame Lesung vor dem Komplet, benutzt
In ihm versammelt sich die
Klostergemeinschaft mittags und abends zu den täglichen Mahlzeiten.
Beim Essen werden die Mönche von den Dienst habenden Mitbrüdern bedient und sie
hören schweigend
dem Vorlesen eines geistlichen Buchs zu.Das Kloster Vyssi Brod/Hohenfurth ist heute mehr als ein Denkmal und Kulturerbe. Es ist ein Haus, in dem man lebt, eine lebendige Tradition. Gott sei Dank dafür!